Geschichten aus dem Alpina & Berchtesgaden

Lesen Sie hier kleine Geschichten rund um unser Haus und der Region

 

Die Sage vom König Watzmann 

 

 

„König Watzmann“ von Ludwig Bechstein

 

Ludwig Bechstein, Schriftsteller und Verfasser deutscher Volksmärchen (1801-1860)

Südöstlich von Salzburg streckt, mit ewigem Schnee bedeckt, hoch über sieben niederen Zinken ein Berg zwei riesige Zackenhörner gen Himmel, das ist der über 2700 Meter hohe Watzmann. Von ihm erzählt das umwohnende Volk aus grauer Vorzeit diese Sage:

Einst in undenklicher Frühzeit lebte und herrschte in diesen Landen ein rauher und wilder König, welcher Watzmann hieß. Er war ein grausamer Wüterich, der schon Blut getrunken hatte aus den Brüsten seiner Mutter. Liebe und menschliches Erbarmen waren ihm fremd, nur die Jagd war seine Lust. Zitternd sah sein Volk ihn durch die Wälder toben, gefolgt von seinem ebenso rauhen Weibe und seinen Kindern, die zu böser Lust auferzogen wurden. Bei Tag und bei Nacht durchbrauste des Königs wilde Jagd die Gefilde und vernichtete die Saat und mit ihr die Hoffnung des Landmanns.

Eines Tages jagte der König wiederum und kam auf eine Waldestrift, auf welcher ein Hirtenhäuslein stand. Ruhig saß vor der Hütte die Hirtin und hielt ihr schlummerndes Kindlein in den Armen. Neben ihr lag ihr treuer Hund, und in der Hütte ruhte ihr Mann, der Hirte.

Jetzt unterbrach der tosende Jagdlärm den Frieden; der Hund der Hirtin sprang bellend auf, da warf sich des Königs Meute auf ihn, und einer der Rüden biß ihm die Kehle ab, während ein anderer seine scharfen Zähne in den Leib des Kindleins schlug und ein dritter die schreckensstarre Mutter zu Boden riß. Der König sah das Unheil und stand und lachte. Plötzlich sprang der vom Gebell der Hunde, dem Geschrei des Weibes erweckte Hirt aus der Hüttentüre und erschlug einen der Rüden. Darüber wütend, fuhr der König auf und hetzte mit teuflischem Hussa Knechte und Hunde auf den Hirten, der sein ohnmächtiges Weib an seine Brust gezogen hatte. Bald sanken beide zerrissen von den Ungetümen zu dem Kinde nieder; mit einem schrecklichen Fluchschrei zu Gott endete der Hirte, und wieder lachte der König. 

Es erhob sich ein dumpfes Brausen, ein Donnern in Höhen und Tiefen, in den Bergesklüften ein wildes Heulen, und der Geist der Rache fuhr in des Königs Hunde, die fielen ihn jetzt selbst an und seine Königin und seine sieben Kinder und würgten alle nieder, daß ihr Blut zu Tale rann, und dann stürzten sie sich von dem Berge wütend in die Abgründe. Aber jene Leiber erwuchsen zu riesigen Bergen, und so steht er noch, der König Watzmann, eisumstarrt, ein marmorkalter Bergriese, und neben ihm eine starre Zacke, sein Weib, und um beide die sieben Zinnen, ihre Kinder – in der Tiefe aber, hart am Bergesfuß, ruhen die Becken zweier Seen, in welche einst das Blut der grausamen Herrscher floß, und der große See hat noch den Namen Königssee. So gewann König Watzmann mit all den Seinen für schlimmste Taten den schlimmsten Lohn, und sein Reich hatte ein Ende.

(„König Watzmann“ von Ludwig Bechstein aus „Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen: 
Auswahl für die Jugend von J. Baß“, Verlag Tredition Classics, 2012)

 

Die Schlafende Hexe

 
Wenn man von Berchtesgaden zum Hallthurm fährt, zeichnet sich die „Hexe“ malerisch gegen den Horizont ab.

Die Sage erzählt von einer Kräuterhexe, die vielen Menschen half. Da sie sehr hässlich war und in einer seltsamen Umgebung hauste, wurde sie verachtet. Das machte sie mit der Zeit sehr böse. Als der heilige Martinus sie besänftigen wollte, versuchte sie, ihn zu töten. Aus Strafe verwandelte er die Hexe in Stein. So muss sie nun warten bis zum jüngsten Gericht – und nun kann man ihr markantes Profil bewundern!

Autor: Stephan Gröschler |

 

Die Sagen vom Untersberg

Um den Untersberg ranken sich viele Sagen, die von Zwergen erzählen, welche in Höhlen im Inneren des Berges leben. Sie bewachen einen Schatz von überaus großem Ausmaß und scheuen meist den Kontakt zu den Menschen. In manchen Nächten feiern die „Untersberger Manndln“, wie sie im Volksmund genannt werden, eine heilige Messe in Maria Ettenberg.

Auch Kaiser Karl der Große soll den Untersberg bewohnen. Die Sage erzählt, er sitze mit seinem gesamten Hofstaat in einem großen Saal im Inneren des Berges. Alle miteinander schlafen einen tiefen, todesähnlichen Schlaf. Der Kaiser trägt einen langen weißen Bart, der schon zweimal um den Tisch, der vor ihm steht, herumgewachsen ist. Wenn der Bart dreimal um den Tisch gewachsen ist, bricht das Ende der Welt herein.

Wenn vierundzwanzig Raben dreimal um den Berg herumfliegen, so erwacht der Kaiser ebenfalls, muss aber dann noch so lange im Berg bleiben, bis der berühmte Zwergenstein gefunden ist, der alle Zwerge, die den Untersberg bewohnen, in Menschen verwandelt. Dann kehrt der Kaiser zu den Lebendigen zurück.

Im Jahre 1713 trieb ein Hirte von Grödig in der Nacht seine Herde nach Hause, da trat ein kleines Männlein aus dem Wunderberg und winkte. Unverzagt folgte ihm der Hirte in das Innere des Berges. Sie kamen in einen weiten, erleuteten Raum. Da saß Kaiser Karl mit anderen Fürsten und Helden um einen Marmortisch und schlummerte. Als der Hirte eintrat, erwachte der Kaiser und fragte: „Fliegen die Raben noch um den Berg?“ „Jawohl, und zwar in Mengen“, entgegnete der Hirte, und schwer seufzend der Kaiser: „Dann müssen wir noch hundert Jahre warten!“ Sodann war alles verschwunden und zerstoben, der Hirte plötzlich außerhalb des Berges und auf seinen Heimweg entrückt.

 

Die Sage von der Steinernen Agnes

Von den Rothöfen am Lattengebirge schaut in das kleine Berchtesgadener Ländchen eine mächtige Felsspitze herab, die „steinerne Agnes“ genannt. Agnes war einst die schönste Dirne weit und breit gewesen. Flink bei der Arbeit, lustig und froh im Kreise ihrer Freundinnen, war sie gepriesen und beliebt wie keine zweite und oftmals bei Schallmei und Hackbrett zur Königin erwählt. Also gefeiert, wurde sie aber alsbald stolz gegen ihre Mitschwestern und von abstoßendem Übermut erfüllt. Allein: „Hochmut kommt vor dem Fall!“ Dieses Sprichwort sollte sich auch an ihr bewahrheiten. Ein schmucker Jägersmann wußte sich in ihr Herz zu stehlen, sie ward verführt, ihrer Unschuld beraubt und wagte sich bald nicht mehr zu Spiel und Tanz, damit ihre Schande nicht offenkundig würde. Aber geheimer Gram lastete schwer auf ihrer Seele; denn
ihr Verführer ließ sich nicht mehr blicken.

Da hüllte sich der Teufel in Jägertracht, ging zu der armen Agnes und sprach: „Was härmst du dich? Du bleibst ja doch wie vor und ehe die schöne, flinke Agnes; ein Druck der Hand – ein Laut – und wie alles Weh lischt auch das Lebenslichtlein deines Kindleins aus!“ – Schaudernd hört es Agnes, was der Versucher ihr ins Ohr flüstert. Lange ringt sie mit der Mutterliebe in ihrem Herzen; sie sieht auf der einen Seite unausbleibliche Schande, den Spott und Hohn ihrer Mitschwestern, auf der anderen Vergessenheit dessen, was geschehen, und der Böse hat den Sieg über die Mutter davongetragen, sie tötet ihr Kind mit eigener Hand. Solch scheußliches Verbrechen ereilte aber sofort die Strafe Gottes. Zum Schreckbild auf die Zinne hinaus gerückt, starrt Agnes, zu Stein geworden, von der schroffen Wand hinab ins Tal.

Quelle: R. von Freisauff, Salzburger Volkssagen, Bd.1, Wien/Pest/Leipzig 1880, S. 366f, zit. nach Leander Petzold, Sagen aus Salzburg, München 1993, S. 149.

 

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